Geschichte der Feuerwehr Obernjesa

Bereits 1712 wurde die erste Feuerordnung des königlichen Gerichts Leineberg herausgegeben, dem die Gemeinde Obernjesa damals unterstand. Besondere Hinweise betrafen das Rauchen in der Scheune, das Hochzeitsschießen, das Flachstrocknen und das Dreschen bei offenem Licht.

Im Jahre 1819 wurde in einer Gemeindeversammlung beschlossen, eine Feuerspritze anzuschaffen. Christof Junge wurde als Feuergeschworener und Konrad Bielefeld als Spritzenmeister gewählt. Gleichzeitig wurden eine „1. und 2. Sorte", je 12 Mann stark, als Druckleute eingeteilt.
Die Spritze wurde lt. Rechnung zum Preis von 275 Talern bei Meister Goebel in Treuenhagen angefertigt. Dieses Geld aufzubringen bereitete der Gemeinde große Schwierigkeiten. Das wird aus Dankschreiben an das Königlich-Großbritannische und Kurfürstlich-Hannoversche Konsistorium in Hannover, an den Landessuperintendenten in Göttingen und an die Landesregierung deutlich. Diese beteiligten sich jeweils mit 80, 23 und 50 Talern an der Anschaffung. Die Restsumme wurde von dem Bauern Christoph Zimmermann ausgelegt und später durch eine Umlage in der Gemeinde aufgebracht. Diese wurde auf die einzelnen Einwohner nach dem jeweiligen Grundbesitz umgelegt. Nach weiter vorhandenen Rechnungen entstanden noch andere Ausgaben:

1. eine Schmierbüchse für 18 Groschen
2. 1 Pfund Fett für 7 Groschen
3. 1 Laterne für 1 Taler
4. 6 paar Strenge(Stränge) für 1 Taler und 24 Groschen
5. 1 Schlange(Schlauch), 90 Fuß lang, ohne Naht für 26 Taler und 9 Groschen

Die Spritze wurde durch zwei Gespanne geholt. Dabei entstanden Zehrkosten von einem Taler und 20 Groschen. Jeder Hausbesitzer war verpflichtet, einen Ledereimer anzuschaffen und ständig bereitzuhalten. Die Beschriftung wurde durch die Gemeinde von Meister Dehne zum Preis von 1,12 Talern vorgenommen.

1819 wurde eine neue Feuerordnung erlassen. Damit wurden die vorhandenen von 1712, 1729 und 1799 außer Kraft gesetzt. Die neue Vorschrift bezog sich in erster Linie auf die Rechte und Pflichten der Bürger bei und nach Feuerausbruch. Die Alarmierung erfolgte über die Feuertrommel und das „Sturmleuten" mit der Kirchenglocke.

Jeder hatte außer dem Ledereimer, hölzerne Wassereimer, Kufen und Tonnen mitzubringen. Extra erwähnt wurden öfter Steigleitern und Einreißhaken zum schnellen Niederreißen von Dachsparren. Das zuständige Amt musste durch reitende Boten benachrichtigt werden.

1823 brannte das Haus des Christoph Zimmermann durch Blitzschlag nieder.
Die Versicherung bezahlte damals eine Prämie von 5 Talern an die Feuerwehr. Als unsere Feuerwehr im selben Jahr zu einem Brand nach Volkerode ausrückte, wurde ein Lohnausfall an die beteiligten Feuerwehrmänner gezahlt und die Prämie in die Gemeindekasse vereinnahmt.

Alle Bürgermeister der Gemeinde Obernjesa vor der Gebietsreform legten Wert auf eine gute Ausrüstung ihrer Feuerwehr: Nach der ersten Spritze (1804) kam 1813 der erste Spritzenschuppen. Er stand auf dem Thie, neben der Kirche. Es folgte die zweite Spritze, die 1819 angeschafft wurde, und 1906 die erste selbstansaugende Spritze. Um 1925 entstand das neue Spritzenhaus an der Dramme. Mit zwei Garagen und Schlauchturm. Natürlich stand in der einen Garage die Spritze - in der zweiten Garage stand der Leichenwagen.

Im Jahre 1946 wurde eine Einheits Tragkraftspritze vom ehemaligen Flugplatz Göttingen in Obernjesa abgestellt. Auf einem Tragkraftspritzenanhänger (TSA) gelagert, wurde sie mit einem Trecker zu Einsätzen und Übungen gebracht. Auch die jährlichen Wettkämpfe wurden mit diesem Gerät bestritten. Später wurde der Trecker als Zugfahrzeug von einem alten Kübelwagen aus Militärbeständen abgelöst.

Im Allgemeinen hatte die Feuerwehr Obernjesa nach dem zweiten Weltkrieg Hochkonjunktur. Die englische Milttärregierung erlaubte es nur der Feuerwehr Versammlungen von mehr als drei Personen abzuhalten und Uniformen zu tragen. Viele heimgekehrte Männer fanden sich zusammen um nach „Heimberg-Fuchs“ zu üben.

1958 wurde das erste Löschfahrzeug vom Typ Opel Blitz LF8 für 21.500,- DM gekauft. Mit diesem Fahrzeug war die Feuerwehr Obernjesa ihrer Zeit voraus und wurde zu einer noch schlagkräftigeren Wehr, die auch in den Nachbarorten zur Löschhilfe angefordert wurde. Zu den größeren Einsätzen dieser Zeit zählen ein Feuer im Sägewerk Ahrens, ein Feuer auf dem Hof Bohnhoff und die Brandserie auf verschiedenen Höfen in Groß Schneen, die für viel Aufsehen in der Region sorgte.

1972 wurde an der gleichen Stelle an der Dramme ein neues Gerätehaus, einschließlich Schulungsraum und wieder zwei Garagen, gebaut. Als zusätzliches Fahrzeug wurde 1976 ein Tanklöschfahrzeug, Typ TLF 8, auf einem Magirus Fahrgestell angeschafft. Nun waren beide Garagen mit Feuerwehrfahrzeugen besetzt. Gleichzeitig wurde die Feuerwehr Obernjesa zum Stützpunkt in der Gemeinde Rosdorf ernannt.

1979 wurde am 18. April die Jugendfeuerwehr Obernjesa gegründet. 31 Jugendliche trafen sich damals mit dem zukünftigem Jugendwart Reiner Graw. Den ersten sichtbaren Erfolg gab es bereits 1981, als die JF bei den Bezirkswettkäpfen in Salzgitter teilgenommen hat. Seit dem Gründungsjahr haben mehr als 200 Kinder und Jugendliche die Jugendabteilung durchlaufen und viele von ihnen sind in die aktive Einsatzabteilung übergetreten.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge trennte man sich 1981, nach 23 Jahren, vom Opel Blitz Löschfahrzeug. Die Gemeinde übergab das neue Löschgruppenfahrzeug, einen Magirus F90, seiner Bestimmung Im Jahr 1981 gab es auch einen besonders großen Hochwassereinsatz in Obernjesa. 1896 erhielt die Ortsfeuerwehr Obernjesa Funkalarmempfänger für die stille Alarmierung und es kamen neue Gerätschaften zur Hilfeleistung hinzu.

1987 erhielt die Ortsfeuerwehr Obernjesa ihr drittes Fahrzeug. Ein gebrauchter VW Bus (T2) wurde von aktiven und passiven Kameraden abgeschliffen, ausgebessert und neu lackiert. Bereits nach Durch das neue Fahrzeug wurde ein Anbau an das Gerätehaus fällig. 1988 wurde dieser Ausbauschritt durchgeführt. Die Feuerwehr Obernjesa war nun gemäß ihrem Status als Stützpunktfeuerwehr in der Gemeinde Rosdorf ausgestattet. 1992 wurde der VW Bus bereits gegen ein neueres Modell ausgetauscht, da er nicht mehr fahrbereit war. Auch der neue Mannschaftstransportwagen (MTW) war ein gebrauchtes Modell (VW T3). Zu diesem Zeitpunkt war die Feuerwehr Obernjesa 175 Jahre alt und man kann sagen: „Viel hat sich getan in den 175 Jahren!“ (H.W. Körber-Harriehausen, 1994).

Einen besonderen Einsatz bzw. mehrere besondere Einsätze an einer Einsatzstelle gab es in den Jahren 1994/95. Am 6.6.1994 kam es in Obernjesa gegen 23 Uhr in der Steintorstraße zu einem Großbrand. Die Ursache war Brandstiftung, wie sich später herausstellte. Das Hauptgebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder, eine angrenzende Scheune konnte vor dem Feuer weitgehend geschützt werden.. In dieser ersten Brandnacht gab es drei Todesopfer. Wenige Tage später brannte es erneut gegen 23 Uhr in der Steintorstraße. Aus der Scheune, die Tage zuvor gerettet werden konnte, drang Rauch. Das Feuer war schnell unter Kontrolle, weil ein vorbeifahrender Motorradfahrer die Feuerwehr alarmiert hat. Nur 5 Minuten später hätte es für das Gebäude keine Rettung gegeben, weil in der Scheune ein Auto und mehrere ca. 30 Jahre alte Strohballen standen. Wenige Tage später wurde der Brandstifter verhaftet.

 

 

Im Jahr 2000 wurde, nach 24 Jahren das Magirus-Tanklöschfahrzeug gegen ein neues Modell auf MAN L2000 Fahrgestell ersetzt, um weiterhin schlagkräftig für den Schutz der Bevölkerung eintreten zu können. Im Mai 2003 kam das nächste Ersatzfahrzeug nach Obernjesa. Der VW T3 wurde durch einen gebrauchten OPEL Movano ausgetauscht, der nun als Mannschaftstransporter bzw. Einsatzleitwagen eingesetzt wird.

 

Im Juni 2005 wurde auch das letzte Fahrzeug getauscht. Das 24 Jahre alte Löschgruppenfahrzeug LF8 war den Anforderungen nicht mehr gewachsen und durch die erweiterte Beladung an die Belastungsgrenze gekommen. Nach reiflicher Überlegung wurde dann ein neues Löschgruppenfahrzeug LF8 auf Mercedes ATEGO Fahrgestell bestellt. Das alte Fahrzeug darf seinen zweiten Frühling nun als Wohnmobil erleben. Durch die Ausmaße des Fahrzeuges und den veränderten baulichen Anforderungen, erfuhr das Gerätehaus kurze Zeit später einen weiteren Anbau.

Im Jahr 2009 wurde der Anbau dann endlich beendet, indem die Außenfassade ihre neue Gestaltung erhielt. Ein handgemalter (!) Schriftzug, sowie unser Markenzeichen der Feuerwehr-Löwe wurde verewigt.

Seit 2012 laufen die Umbaumaßnahmen im Feuerwehrhaus. Aus der ehemaligen Wohnung werden weitere Räume für die Kinder- und Jugendfeuerwehr, sowie ein Schulungsraum für die Aus- und Fortbildung. Weiterhin wurde die Küche bereits ausgebaut und der Thekenraum geändert.

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